In Rathäusern, Landratsämtern und Behördenzentren scheitern gute Maßnahmen selten am Geld. Sie scheitern daran, dass niemand sie sauber beschreiben kann. Wer wasserlose Urinale ausschreiben will, braucht drei Dinge: einen produktneutralen Leistungstext, belastbare Zahlen für die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und eine Antwort auf die Frage, wer die Folgekosten trägt. Genau darum geht es hier.
Der Anlass ist fast immer derselbe
Eine Sanierung steht an, ein Energie- oder Wasserbericht fordert Maßnahmen, oder die Spültechnik in einem Altbau ist am Ende. Dann liegt die Umrüstung der Urinale auf dem Tisch — als eine der wenigen Maßnahmen, die ohne Eingriff in die Gebäudestruktur auskommt, sich in Tagen umsetzen lässt und deren Einsparung sich vorher beziffern lässt.
Rechenbeispiel: Verwaltungsgebäude mit 250 Beschäftigten
250 Beschäftigte, davon rund 150 männlich, 220 Arbeitstage, zwei Urinalnutzungen pro Tag, dazu Publikumsverkehr:
| Nutzungen pro Jahr (Beschäftigte) | 66.000 |
| zuzüglich Besucher (Annahme) | 14.000 |
| Wasserverbrauch bei 2,0 l | 160 m³ |
| Kosten bei 5,00 €/m³ | 800 € |
| Instandhaltung Spültechnik (Ventile, Sensorik, Batterien) | gesondert zu erfassen |
Die Wasserkosten allein tragen die Vorlage selten. Tragfähig wird sie erst, wenn die entfallende Instandhaltung mit aufgenommen wird: Spülventile, Magnetventile, Sensorik samt Batterien, Entkalkung, Störungseinsätze. Diese Positionen stehen in der Regel im Unterhaltsbudget und nicht in der Wasserrechnung — deshalb werden sie vergessen. Die reine Wasserseite rechnet der Einsparrechner vor.
Viele wasserlose Systeme funktionieren nur mit der Kartusche ihres eigenen Herstellers.
Wer ein solches System einbaut, entscheidet damit nicht über eine Anschaffung, sondern über
alle Folgebeschaffungen der nächsten 15 Jahre — ohne Wettbewerb, zu einem
Preis, den der Hersteller allein bestimmt. Für öffentliche Auftraggeber ist das die
unangenehmste Variante: Die Nachbeschaffung ist faktisch alternativlos, muss aber
regelmäßig neu beschafft werden.
Deshalb gehört in die Leistungsbeschreibung ein Satz zur Verfügbarkeit von
Ersatzteilen mehrerer Anbieter. Systeme mit genormtem Ablaufdurchmesser
(Ø 110 mm) erlauben später den Wechsel des Lieferanten; proprietäre Einsätze nicht.
Bausteine für die Leistungsbeschreibung
Produktneutral formuliert, mit prüfbaren Merkmalen statt Markennamen:
- Wasserloses Urinalsystem ohne Spülwasseranschluss, geeignet für den Anschluss an vorhandene Entwässerungsleitungen DN 50 / DN 70 nach DIN 1986-100.
- Geruchsverschluss als Wechseleinsatz, Ablaufdurchmesser Ø 110 mm, Ersatzeinsätze von mindestens zwei Anbietern verfügbar.
- Nachweisliche Kapazität des Einsatzes in Nutzungen, Angabe des Wechselintervalls bei der zu erwartenden Frequenz.
- Wechsel ohne Spezialwerkzeug durch den eigenen Gebäudeunterhalt möglich.
- Rückbau der vorhandenen Spülwasserzuleitung bis zur durchströmten Leitung, nicht bloßes Absperren.
Der letzte Punkt wird häufig übersehen und ist der teuerste, wenn er fehlt: Eine abgesperrte Leitung bleibt als Totleitung im Strang und wird zum Thema bei der nächsten Begehung.
Nachhaltigkeitsbericht und Gebäudezertifizierung
Wasserverbrauch ist in DGNB, LEED und BREEAM eine eigene Kategorie, und die Einsparung am Urinal ist eine der wenigen, die sich ohne Nutzerverhalten erreichen lässt — sie tritt ein, egal wie sich die Menschen im Gebäude verhalten. Für kommunale Nachhaltigkeitsberichte ist sie aus demselben Grund dankbar: Die Menge ist rechenbar, der Nachweis ist die Wasserrechnung des Folgejahres.
Publikumsverkehr heißt: es muss immer stimmen
In einem Bürgerbüro darf es nicht riechen — nicht, weil es technisch schlimm wäre, sondern weil es sofort als Zustand der Verwaltung gelesen wird. Die Absicherung ist banal und wird trotzdem selten festgelegt: pH-neutrale Reinigung, kein Durchspülen mit dem Eimer, und ein fester Wechseltermin statt Wechsel nach Beschwerde. Wo zusätzlich Sicherheit gewünscht ist, halten enzymatische Beckensteine den Ablauf zwischen den Wechseln aktiv frei.
Häufige Fragen
Wie schreibt man wasserlose Urinale produktneutral aus?
Über prüfbare Merkmale statt Markennamen: kein Spülwasseranschluss, Anschluss an vorhandene Entwässerung, Wechseleinsatz mit angegebener Kapazität, Ablaufdurchmesser, Verfügbarkeit von Ersatzeinsätzen mehrerer Anbieter, Wechsel ohne Spezialwerkzeug, Rückbau der Spülleitung.
Sind wasserlose Urinale in öffentlichen Gebäuden zulässig?
Ja. DIN 1986-100 behandelt die wasserlose Urinaltechnik ausdrücklich. Zu beachten sind das Gefälle der Anschlussleitung und der fachgerechte Rückbau der Spülwasserleitung.
Wer trägt die laufenden Kosten?
Der Gebäudeunterhalt — allerdings verschiebt sich die Art der Kosten: weg von Wasser, Abwasser und Störungseinsätzen, hin zu einem planbaren Verbrauchsmaterial mit festem Intervall.
Wie lässt sich die Einsparung nachweisen?
Über den Wasserzähler des Folgejahres, ergänzt um die entfallenden Positionen im Unterhaltsbudget. Für die Vorlage genügt eine Rechnung mit den Nutzungszahlen des Gebäudes und dem Gebührensatz Ihrer Kommune.
Passt das auf unseren Bestand?
Entscheidend sind Hersteller und Ablaufmaß der vorhandenen Becken. Eine erste Einschätzung gibt der Kompatibilitäts-Finder.
Unterlagen für Ihre Vorlage
Wir stellen Ihnen die Wirtschaftlichkeitsrechnung für Ihr Gebäude zusammen und liefern Textbausteine für die Leistungsbeschreibung. Kostenfrei und unverbindlich — auch wenn am Ende ein anderer Anbieter den Zuschlag bekommt.
Unterlagen anfordern oder +49 821 99958638Weiterlesen: Ratgeber wasserlose Urinale · Ratgeber Geruchsverschluss · Wasserloses Urinal F-7000
Beispielrechnung mit angenommenen Nutzerzahlen und 5,00 €/m³. Die Textbausteine sind ein Vorschlag und ersetzen keine vergaberechtliche Prüfung durch Ihre Vergabestelle.