Ein wasserloses Urinal spart nicht nur Wasser – es nimmt eine ganze Baugruppe aus dem Sanitärraum: Spülventil, Sensorik, Zuleitung, Wartung. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Technik funktioniert, welche Systeme es gibt, was sie im Betrieb kostet und worauf es bei Planung, Umrüstung und Reinigung in Deutschland ankommt.
- Der Geruchsverschluss – nicht das Spülwasser – hält den Kanal dicht.
- Eingespart wird doppelt: Trinkwasser und Abwassergebühr.
- Urinstein entsteht durch falsche Reinigung, nicht durch fehlendes Wasser.
- Bei der Umrüstung muss die stillgelegte Wasserleitung zurückgebaut werden – sonst entsteht eine Totleitung.
- Was es für Ihre Anlage bedeutet, rechnen Sie im Einsparrechner aus.
Wie ein wasserloses Urinal funktioniert
Ein Spülurinal hält Kanalgerüche mit einem Wasserpolster im Siphon zurück. Das wasserlose Urinal ersetzt dieses Polster durch einen Geruchsverschluss, der Urin passieren lässt, aber keine Gase zurück in den Raum. Der Urin läuft über die glatte Keramikfläche direkt in den Ablauf – ohne dass jemals gespült wird.
Der entscheidende Punkt für die Hygiene: Frischer Urin ist praktisch keimarm. Geruch und Bakterienwachstum entstehen erst, wenn Urin auf Wasser trifft und sich zersetzt. Eine trockene Keramik bietet deutlich weniger Nährboden als eine dauerfeuchte. Wer ein wasserloses Urinal für „unhygienischer" hält, verwechselt Ursache und Wirkung.
Die Systeme im Vergleich
Es gibt nicht „das" wasserlose Urinal, sondern drei Bauarten des Geruchsverschlusses. Die Wahl entscheidet über Folgekosten und Wartungsaufwand:
| System | Funktionsweise | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Sperrflüssigkeit | Eine leichtere Flüssigkeit schwimmt auf dem Urin und dichtet ab. | Sehr geruchssicher, geräuschlos | Flüssigkeit muss regelmäßig nachgefüllt werden |
| Mechanische Membran | Eine Silikonlippe öffnet unter Durchfluss und schließt danach selbsttätig. | Keine Verbrauchsflüssigkeit, sofort wirksam | Membran verschleißt und wird gewechselt |
| Kombination | Mechanischer Verschluss plus Duft- oder Wirkstoffkomponente. | Doppelte Sicherheit, wirkt auch im Ablauf | Etwas höherer Anschaffungspreis |
Wie die Systeme sich im Detail unterscheiden, wie oft gewechselt wird und was bei Geruch zu tun ist, steht im Ratgeber Geruchsverschluss. Unsere Magma-Geruchsverschlüsse arbeiten mechanisch und sind universell kompatibel – ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Wer ein System mit herstellereigener Spezialkartusche kauft, bindet sich für die gesamte Nutzungsdauer an dessen Preisliste. Bei einem Urinal fällt das kaum auf, bei vierzig Urinalen bestimmt es die Betriebskosten.
Was sich wirtschaftlich wirklich ändert
Die meisten Kalkulationen rechnen zu niedrig, weil sie nur den Trinkwasserpreis ansetzen. Tatsächlich wird jeder Liter zweimal berechnet – als Trinkwasser beim Zulauf und als Schmutzwasser beim Ablauf. In den meisten deutschen Kommunen ist die Abwassergebühr der größere der beiden Posten.
Dazu kommen Positionen, die in keiner Wasserrechnung auftauchen:
- Spülventile und Druckspüler – Verschleißteile, die tropfen, klemmen oder durchlaufen.
- Sensorspülungen – Elektronik, Netzteile und Batterien mit begrenzter Lebensdauer.
- Dauerspülungen – zeitgesteuerte Anlagen spülen auch nachts, am Wochenende und in den Ferien.
- Rohrreinigung – die teuerste Einzelposition, wenn Urinstein die Leitung zugesetzt hat.
Rechnen Sie es für Ihre Anlage durch: Der Einsparrechner berücksichtigt Nutzerzahlen, Betriebstage und die Wasserpreise Ihres Bundeslandes und zeigt die Amortisation in Monaten.
Urinstein: Ursache, Vermeidung, Beseitigung
Urinstein ist die häufigste Beschwerde – und fast immer hausgemacht. Er entsteht, wenn sich Mineralien aus dem Urin mit Ablagerungen verbinden und verhärten. Zwei Fehler begünstigen das:
Fehler 1: Der falsche Reiniger. Stark saure Sanitärreiniger sind für Spülurinale gedacht, wo Kalk das Problem ist. Im wasserlosen Urinal greifen sie die Sperrschicht an und können Ablagerungen sogar verfestigen. Richtig sind pH-neutrale oder leicht alkalische Reiniger – oder besser biologische Präparate, die die Ablagerungen enzymatisch abbauen, statt sie chemisch anzugreifen.
Fehler 2: Die Leitung wird vergessen. Urinstein bildet sich nicht nur in der Keramik, sondern auch im Abflussrohr – dort, wo niemand hinsieht, bis nichts mehr abläuft. Deshalb gehören enzymatische Beckensteine und Urinalmatten zur Grundausstattung: Sie geben bei jeder Nutzung Wirkstoffe in den Ablauf ab und halten die Leitung frei. Eine Matte kostet einen Bruchteil dessen, was ein Rohrreinigungsdienst berechnet.
Umrüsten statt austauschen
In vielen Gebäuden lässt sich die vorhandene Keramik weiterverwenden: Der Siphon wird gegen einen Geruchsverschluss getauscht, die Spülung stillgelegt. Damit entfällt der teuerste Teil einer Umstellung – die Bauarbeiten. Drei Punkte entscheiden, ob das funktioniert:
- Abflussmaß und Ablaufform der Keramik müssen zum Verschluss passen.
- Gefälle der Anschlussleitung – ohne ausreichendes Gefälle bleibt Urin stehen, unabhängig vom System.
- Zustand der Leitung – ist bereits Urinstein vorhanden, wird vor der Umrüstung gereinigt.
Wird die Spülung nur abgesperrt, bleibt Wasser in der Zuleitung stehen. Solche Totleitungen sind ein bekanntes Risiko für Legionellen und Verkeimung des Trinkwassers im gesamten Strang. Fachgerecht ist deshalb der Rückbau der Zuleitung bis zur durchströmten Hauptleitung, nicht das bloße Zudrehen eines Ventils. Sprechen Sie das mit Ihrem Sanitärfachbetrieb an – es kostet wenig und verhindert ein Trinkwasserproblem, das mit dem Urinal nichts mehr zu tun hat.
Normen und Regelwerk in Deutschland
Wasserlose Urinale sind in Deutschland zulässig und in der Entwässerungsplanung vorgesehen. Für Planer und Ausschreibungen sind vor allem drei Punkte relevant:
- DIN EN 13407 (wandhängende Urinale) beschreibt Funktionsanforderungen und Prüfverfahren – nimmt wasserlose Urinale aber ausdrücklich aus ihrem Anwendungsbereich aus. Für sie gelten bei Wasseraufnahme und statischer Belastung vergleichbare Kriterien. Die Norm ist also kein Ausschlussgrund, wird aber gelegentlich fälschlich als solcher zitiert.
- DIN 1986-100 (Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke) behandelt die wasserlose Urinaltechnik ausdrücklich. Maßgeblich sind Gefälle, Nennweite und Anschluss – nicht die Frage, ob gespült wird.
- Trinkwasserhygiene (u. a. DIN EN 806-5, VDI/DVGW 6023): bestimmungsgemäßer Betrieb aller Leitungsteile, keine Stagnation. Daraus folgt der oben genannte Rückbau stillgelegter Zuleitungen.
Diese Übersicht ersetzt keine Fachplanung. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung der jeweiligen Norm und die Beurteilung durch Ihren Fachplaner.
Wo sich die Umstellung besonders lohnt
Je höher die Frequenz, desto schneller die Amortisation. Besonders deutlich ist der Effekt in Autobahnraststätten und Tankstellen, Stadien und Veranstaltungshallen, Flughäfen und Bahnhöfen, Schulen und Hochschulen, Verwaltungsgebäuden, Produktionsstandorten mit Schichtbetrieb sowie in der Gastronomie. Gemeinsam ist diesen Objekten: viele Nutzungen, lange Betriebszeiten und ein Reinigungsteam, das ohnehin täglich vor Ort ist.
Ein zweiter, oft unterschätzter Vorteil: Wasserlose Urinale liefern messbare Beiträge für Gebäudezertifizierungen wie DGNB, LEED oder BREEAM und lassen sich in der Nachhaltigkeitsberichterstattung als konkrete Einsparung belegen – mit Litern, nicht mit Absichtserklärungen.
Unsere Systeme
- Wasserloses Urinal F-7000 – Keramik für den Neubau und den vollständigen Austausch.
- Magma 1.0 – Universal-Siphon zum Nachrüsten vorhandener Urinale.
- Magma 2.0 – mit Duftkappe, schlüsselfreier Wechsel.
- Magma 3.0 – Dreifachverriegelung, kompatibel u. a. mit Sloan WES-150 und Falcon.
- Urinalmatten und Beckensteine – halten Ablauf und Leitung frei.
Häufige Fragen
Wie oft muss der Geruchsverschluss gewechselt werden?
Das hängt an der Nutzungszahl, nicht am Kalender. Übliche Kapazitäten liegen im Bereich mehrerer zehntausend Nutzungen. In einem Bürogebäude bedeutet das ein bis zwei Wechsel im Jahr, in einer Raststätte deutlich häufiger. Der Rechner leitet die Zahl aus Ihren Nutzerzahlen ab.
Was passiert bei einem Stromausfall oder Wasserschaden?
Nichts – und das ist ein Vorteil. Ein wasserloses Urinal hat weder Elektronik noch Wasseranschluss. Es funktioniert auch dann, wenn die Wasserversorgung abgestellt ist.
Dürfen wasserlose Urinale in öffentlichen Gebäuden eingesetzt werden?
Ja. Sie sind in der Entwässerungsplanung ausdrücklich vorgesehen und werden in Deutschland an Autobahnen, Flughäfen, Schulen und Verwaltungsgebäuden eingesetzt. Zu beachten sind die üblichen Anforderungen an Gefälle, Anschluss und Reinigungskonzept.
Wie wird richtig gereinigt?
Täglich mit klarem Wasser oder einem pH-neutralen bis leicht alkalischen Reiniger die Keramikfläche abwischen. Keine stark sauren Sanitärreiniger, keine Scheuermittel, kein Hochdruck in den Ablauf. Enzymatische Präparate unterstützen zusätzlich, weil sie Ablagerungen abbauen, statt sie zu verhärten.
Lohnt sich die Umstellung auch bei wenigen Urinalen?
Bei ein bis zwei Urinalen mit geringer Frequenz steht die Wasserersparnis nicht im Vordergrund – dort überzeugt eher der Wegfall von Spültechnik und Wartung. Ab etwa fünf Urinalen oder bei hoher Frequenz wird die Einsparung zum Hauptargument.
Wir schauen uns Ihre Anlage an
Sagen Sie uns, wie viele Urinale Sie betreiben und um welche Art von Objekt es sich handelt – wir sagen Ihnen, ob Umrüsten oder Austauschen sinnvoller ist und was es kostet. Beratung und Angebot sind kostenfrei.
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